Denkmalschutz!?

Problematik Denkmalschutz- Erhaltung- Bewirtschaftung sowie Erhaltungsgrundsätze des Kulturdenkmals.

>>Die Erhaltung des Kulturdenkmals ist nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz zwingend.

Für private Denkmalbesitzer gilt dabei die wirtschaftliche Zumutbarkeit, nicht jedoch für das Land, die Gemeinden, Landkreise und Kommunalverbände. Denkmale sollten daher einer Nutzung zugeführt werden die eine Erhaltung auf Dauer gewährleisten.

Gerade die Nutzung des Kulturdenkmals "Oberharzer Wasserwirtschaft" ist nach dem im voranstehend beschriebenen gegeben. Sie ist für den Erhalt der Anlagen und der Sinnerfüllung des Begriffs "Technisches Kulturdenkmal" unbedingt erforderlich.

Die Erhaltung wird nicht durch eine "statische" Nutzung im Sinne von Konservierung der Bausubstanz gesichert, sondern durch die zweckbestimmte Nutzung der Anlagen, Wasser zu sammeln, zu speichen und zu verteilen. ...
... Dabei sind bestimmte Erhaltungsgrundsätze zu beachten, die für jedes technische Kulturdenkmal separat erarbeitet werden müssen, da es nur sehr wenige allgemeingültige Richtlinien geben kann.
Die Aufstellung solcher Richtlinien liegt bei den Denkmalschutzbehörden. Schwierigkeiten bereitet allerdings der Aufbau dieser Behörde, die aus ihrem gewachsenen Verständnis heraus noch immer die Schwerpunkte im archäologischen, architektonischen und kunsthistorischen Bereich der Denkmalpflege setzt.<< (Knissel, Walter; Fleisch, Gerhard 1983: S. 176.)

>> Die Oberharzer Wasserwirtschaftsanlagen als technisches Kulturdenkmal:

Die oben dargestellten Ereignisse warfen die Frage auf, was mit den -zunächst allem Anschein nach - funktionslos gewordenen Elementen der Anlagen, den Gräben und Wasserläufen nach Übergang auf das Land Niedersachsen geschehen sollte.
Diese in der Öffentlichkeit über Jahre hinweg erregt diskutierte Frage führte zur Anerkennung der noch funktionsfähig erhaltenen Teile des Wassersystems am 1.4.1979 als Kulturdenkmal.
Mit dieser Anerkennung dieses wohl einzigartigen technischen Denkmals nach dem Niedersächsischen Denkmalschutzgesetz war zunächst einmal der äußerst wichtige Schritt zur Bestandssicherung getan. Über die Unterhaltung bzw. Erhaltung selbst musste jedoch ein Konzept erarbeitet werden.

Zur Anerkennung als Kulturdenkmal führten nicht die Elemente allein für sich, sondern ihr in sinnvollen Verbundsystemen bestehender Zusammenhang, der praktisch unverändert aus der Primärnutzungsphase überkommen war.
Es sind dies nach der Anlage 4:

- das Verbundsystem "Zellerfeld"...
- das Verbundsystem "Dammgraben u. Hirschler Teich"....
- das Verbundsystem "Buntenbock und Bad Grund"...
- der natürliche Teichgruppenverbund "Grumbach"...

Die noch funktionsfähigen Einzelelemente dieser Verbundsysteme wurden in das Baudenkmalverzeichnis übernommen.

Für die funktionsunfähigen Teile der Anlagen sollte ein "passiver" Denkmalschutz Anwendung finden, d.h. die Anlagen werden nicht erhalten, aber auch nicht im Zuge irgendwelcher Baumaßnahmen zerstört oder unkenntlich gemacht.
Inwieweit sich dieser Gedanke durchsetzen lässt, bleibt abzuwarten.
<<
(Knissel, Walter; Fleisch, Gerhard 1983: S. 168-169.)

Das Projekt "passiver" Denkmalschutz ist gescheitert!

Massiv vor Augen geführt wird einem dies wenn man eine Exkursion an den Teilen des Denkmals unternimmt die bis zuletzt in Betrieb waren, zum Beispiel am Schulte-Stollen-Graben und am Lautenthaler Kunstgraben.
Am Schulte-Stollen-Graben fehlt heute beispielsweise das Wehr an der Innerste, das bis zur Schließung des Erzbergwerks Bad Grund 1992 in Betrieb war.

Am Lautenthaler Kunstgraben findet man in der vegetationsarmen Zeit noch die alten, hölzernen Fehlschläge verrottet im Gras.
Das Wehr an der Innerste führt ein trauriges Dasein.
Aber auch an vielen anderen Gräben und Anlagen wird der Verfall der letzten 35 Jahre, seit der Unterschutzstellung der Wasserwirtschaftsanlagen als Kulturdenkmal deutlich.

Schon Walter Knissel und Gerhard Fleisch forderten im Jahr 1983 ein betriebenes technisches Kulturdenkmal.
Dieser Gedanke wurde in verschiedenen Vorschlägen zum Erhalt des Denkmals immer mal wieder eingefordert.
Bislang ist hier aber nichts passiert.

Der Denkmalschutz hat aber in den letzten 35 Jahren wenig zur Überwachung des Denkmals getan.

Eine Erhaltung wurde vom Eigentümer eines Großteils der "passiven" Wasserwirtschaftsanlagen, der Niedersächsischen Landesforst, seitens der Denkmalschutzbehörden nicht eingefordert.

Die von den Harzwasserwerken (HWW) betriebenen "aktiven" Elemente des Denkmals sind an den touristisch wichtigen Stellen Augenscheinlich in Ordnung. Beim näheren Hinsehen finden sich jedoch auch hier Elemente die den Begriff "aktiv" nicht wirklich verdienen. (z.B. Jägersbleeker Graben).

Per Vertrag mit der Niedersächsischen Landesregierung sind die Harzwasserwerke verpflichtet bis zu 1,78 Mio. EUR jährlich in den Erhalt der wasserwirtschaftlichen Anlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft zu investieren. (Welterbeantrag 2007: Anhang E17, S. 83)
Ob sie dies wirklich tun oder Elemente aus ihrem Kerngeschäft, der Trinkwasserversorgung hier mit einfließen, bleibt verborgen. Eine öffentliche Aufstellung über die jährlichen Investitionen gibt es nicht.

Wenn unsere Gesellschaft dieses einmalige Denkmal für nachkommende Generationen und die Weltöffentlichkeit bewahren möchte, sollte umgehend ein Paradigmenwechsel beim Denkmalschutz stattfinden und das Denkmal seiner ursächlichen Aufgabe, der Energiegewinnung, wieder zugeführt werden.

Der Gewinn aus der Energiegewinnung sollte hierbei aber erst an zweiter Stelle gesehen werden.
Wichtiger in diesem Zusammenhang ist eine ständige Betreuung der Welterbebestandteile die nur durch eine wirtschaftliche Nutzung der Anlagen zu erreichen ist.

Pake, Robert 2015.

Quellen:
Knissel, Walter; Fleisch, Gerhard (1983): Die Oberharzer Wasserwirtschaft in Vergangenheit und Gegenwart. Clausthal-Zellerfeld.

Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft u. Kultur, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (2007):
Antrag zur Eintragung der Oberharzer Wasserwirtschaft in die UNESCO-Welterbeliste, Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar.Hannover/Braunschweig, S. 83-85.

Arbeitsgruppe Lokales Welterbe-Monitoring:

Die Arbeitsgruppe lokales Welterbe-Monitoring hat "Das neue Schwarzbuch 2016" zum UNESCO-Welterbe Bergwerk Rammelsberg, Altstadt von Goslar und Oberharzer Wasserwirtschaft veröffentlicht.

Unter dem Link https://welterbemonitor.files.wordpress.com/2016/06/schwarzbuch-2016.pdf
kann es heruntergeladen und weiterverbreitet werden. Ein Nachdruck ist unter Angabe der Quelle erwünscht. Die Redaktion der Arbeitsgruppe Lokales Welterbe-Monitoring würde sich über einen kurzen Hinweis der Nutzung freuen.