Lautenthaler Gefälle

Eyecatcher: Historische Aufnahme der Lautenthaler Erzaufbereitung. Blau eingezeichnet die Trasse des Lautenthaler Kunstgrabens, im roten Kreis das Rohr für das Aufschlagwasser der Turbinen im "Grubenkraftwerk".


Das Lautenthaler Gefälle:

Das Lautenthaler Gefälle vereinte zu seiner letzten Betriebszeit die Gräben und Speicherteiche des

- Hahnenkleer Gefälles,

- Bockswieser Gefälles

- und der Spiegeltaler Gefälle.

Zu einem Großgefälle, wie beispielsweise bei den Anlagen im Bereich St. Andreasberg oder dem Wilhelmschachtgefälle zu seiner letzten Betriebszeit zu sprechen, ist beim Lautenthaler Gefälle nicht angebracht, weil lediglich ein Teil der Gräben und die Speicherteiche der anderen Gefällegruppen zur Versorgung des Lautenthaler Kunstgrabens benutzt wurden.

Es wurde kein Wasser über einen Schacht einem Wasserlösungsstollen zugeführt. Diese Möglichkeit dazu hätte ja mit dem Lautenthals-Glücker Hauptschacht oder dem "Maaßener Treib u. Kunstschacht" durchaus bestanden, um eine größere Gefällehöhe für die Turbinen zu schaffen.
Das Wasser wurde jedoch in der letzten Betriebszeit in zwei oberirdischen Turbinen an der Lautenthaler Erzaufbereitung und in der Lautenthaler Hütte verstromt.

Die Situation der Gräben u. Turbinen im Bereich Lautenthal zur letzten Nutzungszeit durch die Preussag.
Quelle: Ausschnitt aus: NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc.2 Nr776

Das Rückgrat der Wasserversorgung des Lautenthaler Berbbaus war über 394 Jahre fast ununterbrochen der Lautenthaler Kunstgraben.
Diese Tradition endete erst mit der Stillegung der Gruben und dem Rückbau der Lautenthaler Erzaufbereitung im Jahr 1967.

Hugo Haase beschreibt die Situation 1961 folgendermaßen:

>>Der Lautenthaler Kunstgraben ist Aufschlaggraben für die beiden Werke der Kraftstufe IV in Lautenthal, die alle einstigen Gefälle zusammenfassen.
Angelegt wurde dieser Graben um 1570 unter dem Berggeschworenen Valentin Wiedenhöfer und wurde 1681 "von Wildemann her fast ganz neu wieder gefasset, da er bei stilliegendem Bergwerke in Lautenthal öde geworden".
Er zweigt an jener Stelle unterhalb von Wildemann von der Innerste ab, wo sich die Wasser des Furbachs und des 13-Lachter-Stollens mit denen der Innerste vereinigten.Diese Wasser gingen früher erst über die Wildemänner Mahlmühle. Jetzt nimmt der Lautenthaler Kunstgraben sie gleich an einem stabilen Wehr auf, das am Nordende der Stadt neben der Eisenbahnbrücke die Innerste staut.
Am rechten Ufer des Flusses zieht der Graben in 8 km langem Lauf, dem drei Wasserläufe von zusammen 244m Länge eingeschaltet sind, nach Lautenthal. Immer höher erhebt er sich über die Innerste und schwenkt dann ein in das Tal der Laute.
Im Lautenthaler Grubenkraftwerk werden 56m Gefälle ausgenutzt und 2 Turbinen betrieben, die zusammen 202 Kw leisten. Der Untergraben bringt das Wasser zur Lautenthaler Hütte.
Verstärkt durch das Wasser aus der Laute und mitunter noch aus der Innerste, lassen sich hier bei 5m Gefälle im "Hüttenkraftwerk" noch einmal 10 Kw erzeugen.<< (Haase, 1961; Seite 77)

Quelle: KW47-145 Lautenthal Betriebsgebäude; NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc. 2 Nr. 776.

Der Lageplan der Betriebsgebäude von 1962 zeigt die Situation wie die Preussag sie für den Bewilligungsanträge nach §36 Abs. 2 NWG dargestellt hat.

Der Abwassergraben entwässert der Zeichnung nach in die Innerste.
Der von Haase 1961 beschriebene Untergraben, hier Abwassergraben genannt ist gestrichelt eingezeichnet, er ist evt. verrohrt.
Der scharfe Knick im Abwassergraben, in dem das Wasser gegen seine ursprüngliche Richtung der Innerste zugeleitet wird, deutet auf einen Fehlschlag in diesem Graben hin. Dieser Fehlschlag findet sich auch in der Schemazeichnung wieder.
Das beschriebene Wehr an der Innerste in Lautenthal mit dem sich das Aufschlagwasser für die Turbine im Hüttenkraftwerk verstärken lässt, ist erst Ende der Achziger, Anfang der neunziger Jahre rückgebaut worden.

Quelle Zeichnung: K80-108-1 Wasserkraftwerk Lautenthal 1; NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc. 2 Nr. 776.

Die beiden Turbinen des "Grubenkraftwerkes", auch "Wasserkraftwerk Lautenthal I" genannt, auf der Zeichnung der Preussag von 1963.
Der Graben, den Haase als Untergraben bezeichnet, heißt hier (Lautenthaler)-Pochgraben.
Er führte bis zum Wehr an der Laute und wird auf der anderen Seite der Laute zum "Oberen Hüttengraben".

Das Turbinenhaus des Grubenkraftwerkes (Wasserkraftwerk Lautenthal I) im Jahr 2013.
Die hölzerne Rösche im Hintergrund steht auf der Trasse des ehemaligen Druckrohres für das Aufschlagwasser der Turbinen.
Unterhalb des Lautenthaler Kunstgrabens, im Bereich der Halde, ist das Rohr noch aufzufinden.

Quelle: K80-109-1 Wasserkraftwerk Lautenthal 2; NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc. 2 Nr. 776.

Das Wasserkraftwerk Lautenthal II (Hüttenkraftwerk) auf einer Zeichnung der Preussag aus dem Jahr 1963.
Die Preussag gibt hier, entgegen der Aussage von Haase, eine Fallhöhe von 4,75m mit einer Generatorleistung von 11 Kw an.

Quelle Karte:
Haase, Hugo (1961): Kunstbauten alter Wasserwirtschaft im Oberharz, 1.Auflage: Clausthal-Zellerfeld, S. 66. Koloration vom Verfasser.

Die Sammelanlagen des Lautenthaler Gefälles im Zustand von 1961, auf einer Zeichnung von Haase.
Die ursprünglichen Sammelanlagen des Lautenthaler Gefälles sind hier orange koloriert.
Die Anlagen die sowohl dem Lautentaler Gefälle als auch dem Bockswieser Gefälle dienten sind orange/blau eingezeichnet.
Die blau/rot eingezeichneten Anlagen dienten bis zum Ende des Bergbaus in Bockswiese dem Bockswieser Gefälle und wurden anschließend, durch eine Fließrichtungsumkehr in den Gräben und ein Pumpwerk am Stadtweger Teich für das Ottiliaeschacht-Gefälle genutzt.
Die rot eingezeichneten Anlagenteile sind ursprünglicher Bestandteil der Zellerfelder Zuges (Einersberger Gefälles) das später im Ottiliaeschacht-Gefälle aufging.

Schematische Übersicht des Lautenthaler Gefälles zu seiner letzten Betriebszeit bis 1967 durch die Preussag.
Quelle: NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc.2 Nr776

Einen Übersichtsplan der Betriebsanlagen der Oberharzer Wasserwirtschaft zur Zeit der Preussag (1963) finden Sie hier.
Quelle: NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc.2 Nr776

Eine schematische Übersicht über die Wasserkraftnutzung der Oberharzer Wasserwirtschaft in der letzten Betriebszeit durch die Preussag (1963) finden Sie hier:
Quelle: NLA HSTA BaCl Nds. 540 Acc.2 Nr776


Elemente aus dem Lautenthaler Gefälle im Internet:

Lautenthaler Gangzug: https://de.wikipedia.org/wiki/Lautenthaler_Gangzug

Berbaumuseum Lautenthals Glück: http://www.lautenthals-glueck.de/

Grube Lautenthals Glück: https://de.wikipedia.org/wiki/Grube_Lautenthals_Gl%C3%BCck
Micromounts, Das Blog für Liebhaber kleinformatiger Mineral-Stufen: http://micromounts.blogspot.de/

Fotos vom Bergbaulehrpfad Lautenthal:http://www.bgv-lautenthal.de/html/fotos_bergbaulehrpfad_4.html

Der Schwermetallrasen bei Lautenthal (pdf): https://www.landesforsten.de.pdf

Ortteil Lautenthal: https://de.wikipedia.org/wiki/Lautenthal
Maaßener Gaipel: https://de.wikipedia.org/wiki/Maa%C3%9Fener_Gaipel