Schulenberg/Festenburger Revier

>>Der Schulenberger/Festenburger Bergbau spielte im Gesamtgeschehen des Oberharzer Bergbaus nur eine Nebenrolle. Ihm wurde Betriebswasser durch die Schalker Gräben entzogen, was sich auf Grund des des relativ kleinen betroffenen Einzugsgebietes nicht nachteilig bemerkbar machte. Wie auch der Altenauer Bergbau kam er weder in den "Genuß" der tiefsten Wasserlösungsstollen, noch wurde er in das System der Oberharzer Wasserwirtschaft eingebunden.<< (Knissel/Fleisch, 1983; 63)

Die Wasserlösung in dem Revier erfolgte ab 1559 durch den Festenburger Stollen, der durch den 60m tierferliegenden 1699 aufgefahrenden "Tiefen Schulenberger Stollen" enterbt wurde.

Der Tiefe Schulenberger Stollen nahm die Wasserlösung im Revier bis zur Stillegung der Grube Juliane-Sophie im Jahr 1904 war. Er ist heute bei abgesenktem Wasserspiegel der Okertalsperre gut auffindbar.

Oberschulenberg 1675

1675 schon wurde das Wasser aus der Schalke durch den "Wassergrabe aus der Schalke", dem späteren Oberen Schalker Graben, hinübergeleitet in das Bockswieser Revier und nach Hahnenklee.
Die Grube Glücksrad steht in Ausbeute und wird durch einen Graben aus der Schalke und einem Nebenzufluss sowie einen Vorläufer der Schalker Teiche, den "Hölzernen Teich" versorgt.
Dieser Teich könnte aber auch gleichzeitig der Flößerei gedient haben.
Quelle: Großkurt u. Ernst, Niedersächsisches Landesarchiv - Staatsarchiv Wolfenbüttel STAWO K Nr. 20205.

Gerlachsche Karte 1769

Quelle: NLA StWo K3 Blatt 11.

Einhundert Jahre später tauchen alle drei Schalker Teiche auf der Gerlachschen Karte auf.
Gut zu erkennen sind auch die beiden Schalker Gräben am oberen Bildrand sowie der Lange Teich.

Der Oberschulenberger Ausbiss zeugt von der frühen bergbaulichen Tätigkeit in diesem Revier. Hier trat (biss) der erzführende Gang an die Oberfläche aus.
In der ersten mittelalterlichen Bergbauperiode (1180-1349) wurden diese erzführenden Gänge bis zu einer Tiefe von 20m abgebaut. Darunter kam man mit dem Sümpfen der Gruben, der Wasserhaltung, die ja händisch erfolgte, nicht mehr klar. Dies führte in der Folgezeit zur Entwicklung der Oberharzer Wasserwirtschaft.
Heute ist der Oberschulenberger Ausbiss eines der letzten Relikte dieser frühen Abbauperiode im Oberharz.

>> Die Grube Glücksrad mit ehemals 3 Schächten gehört mit den Gruben St. Urban, Gelbe Lilie, Gnade Gottes u.a. zum Schulenbergsglücker Gang, der sich bis zur Okertalsperre erstreckt und dort ausstreicht.
Im 18. Jahrhundert wurden dort Blei-, Zink- und auch Kupfer-Erze abgebaut.
1769 beendete ein Grubenbrand den Betrieb, der nach einigen weiteren Abbauversuchen Anfang des 19. Jahrhunderts endgültig aufgegeben wurde.
Die Grubenhalden sind seit Jahrzehnten bei Mineraliensammlern beliebt, denn man findet dort ca. 120 verschiedene Mineralien wie Lanarkit, Elyit, Azurit, Malachit, Pyromorphit, Galenit, Chalkopyrit, Cerussit, Barysilit, Caledonit, Anglesit u.a. Die Fundstücke sind heutzutage jedoch nur noch millimeterklein und für Laien kaum erkennbar. ...
..Reste der Grube sind noch sichtbar, jedoch versperrt und eingezäunt. Das Betreten der Absperrungen sollte tunlichst unterbleiben, denn die Löcher im Boden sind senkrecht und sehr tief.<<
Quelle: https://www.geocaching.com Stand 20.07.2016

Wasserkraftnutzung 1744

Quelle:( Schmidt, 2007; S 185)

>>Die Wasserversorgung dieses von südlich Festenburg über nördlich Oberschulenberg bis südlich Mittel-Schulenberg verlaufenden Gangzuges kam aus drei Richtungen. Ihr Rückgrat hatte sie in der Schalke mit ihren drei Teichen.
Hierfür wurden Einzugsgebiete nordöstlich der Schalke durch die Moseskapper Gräben erschlossen.
Eine weitere Wasserzuführung gab es von Südwesten aus dem Gebiet des Mertensthales und der Zankwiese mit dem Zankwieser Teich.
In den Zankwieser Teich konnten auch überschüssige Wasser aus dem Auerhahner und dem Oberen Kellerhalser Teich fließen.
Eine zusätzliche Versorgung kam aus dem Tal der Lange mit dem LangeTeich, zeitweise gestützt durch den oberhalb liegenden Hasenteich. Der Langegraben führte das Wasser bis nach Oberschulenberg.
Das abgearbeitete Wasser wurde von den entlang des Weissen Wassers und der Schalke liegenden Pochwerken mehrfach benutzt.
Später wurde der Untere Schalker Teich und der Lange Teich noch für die Flößerei genutzt.<<
Schmidt, 1989; S. 298)

Am 2. Weihnachtsfeiertag 1733 brach in einer Flut (Hochwasser) der gerade erhöhte Damm des Unteren Schalker Teiches. Tagelang vorher war der Riss im Damm schon sichtbar, die verantwortlichen Grabensteiger kämpften bis zur Erschöpfung gegen einen Bruch, verloren aber letztendlich. Die Flutwelle verwüstete das Okertal bis außerhalb des Harzes, neun Menschen starben.
Bei der Erneuerung im darauf folgendem Jahr probiert man im Oberharz zum ersten Mal die neue Dammbauweise mit einem Rasenhaupt in der Mitte aus.
Der erste Teich mit dieser mittigen Dichtung war indes der Wiesenbeeker Teich in Bad Lauterberg.
Quellen: (Schmidt, 1989, S. 361) (Haase/Lampe, 1985, S. 43) (Knissel/Fleisch, 1883, S. 38)

Zeichnung: Boyke, H.J. aus: (Trunz, 2000, S. 12a u.b)

Teichdämme neuer und alter Bauart.
Nach und nach wurden viele Dämme auf die neue Bauart umgerüstet da sich erhebliche Vorteile durch die innenliegende Dichtung ergaben. So war bei der neuen Bauart die Dichtung vor Wellenschlag und Mäusefraß geschützt. Das freistehende Striegelhaus der alten Bauweise war bei Eisgang im Winter immer in Gefahr abgerissen zu werden.

Lange Teich (Tid Lange)

Der Lange Teich >>heißt zum Unterschied zu einem unweit davon im Innerstebereich liegendem Langer Teich auch auch Tid-Lange, was möglicherweise aus "T(eich) i(n) d(er) Lange hervorgegangen ist.<<(HaaseLampe, 1985; S. 43)

Über weite Strecken ist der Langegraben, nicht zu verwechseln mit dem zum Wilhelmschachtgefälle gehörendem Langen Graben, einem Vorläufer des Dammgrabens , von Forstwegen überprägt.
Im Tal der Schmalen Lange ist das ursprüngliche Grabenprofil (linkes Bild) aber erhalten und vermittelt eine Vorstellung von der ehemaligen Leistungsfähigkeit dieses Grabens.
Im Teufelstal (rechtes Bild) bricht die Grabentrasse an einer Felsnase unvermittelt ab. Hier muss über viele Jahre ein hölzernes Gefluder gestanden haben um das Tal zu überbrücken.

Schulenberger Revier, Quensell 1800.

Um 1800 ist ein Graben zur Versorgung der Grube Herzog August Wilhelm hinzugekommen. Auf der kolorierten Karte von Quensell ist hellblau eingezeichnet die Wasserversorgung des Oberschulenberger Revieres zu sehen. Im oberen Langetal, nicht farblich hervorgehoben, der Hasenteich, auch Teich im Papayen(Papageien)-Tal genannt.

Im Tal unterhalb von Oberschulenberg drei Pochwerke mit ihren Aufschlaggräben.
Quensell hat auf seiner Karte das Tal der Schmalen Lange mit dem Teufelstal verwechselt.

Sandkuhl 1893.

Schon um 1893 steht nur noch eine Grube im Abbau, Juliane-Sophie.
Ihr Wasser wird über den Riesenbacher- und den Julianer Graben herangeführt.
Die beiden oberen Schalker Teiche sind aufgegeben worden. Juliane-Sophie wird den Betrieb 1904 einstellen.
Ihre Wasserversorgungsanlagen werden heute über den WasserWanderWeg Nr. 21 erschlossen.

Heute sind Spuren im Gelände sichtbar die auf eine elektrische Nachnutzung der Gefällestufen ab dem Jahr 1899 für die Grube Juliane-Sophie schließen lässt.
1923 beantragte der Verband der Eisenbahnvereine, der ein Eisenbahnerheim in Festenburg betrieb, eine Turbinenanlage am Unteren Schalker Teich, die auch ausgeführt wurde.

Einen ausführlichen Bericht von Wolfgang Lampe dazu können Sie hier als pdf [3.281 KB] herunterladen.

Riesenbacher Graben, Umfahrung einer Felsnase.

Schalker Teich, elektr. Nachnutzung 1923.

Quelle: HStA Hann 184 Acc 14 Nr. 0456

Turbinenanlage am unteren Schalker Teich 1923.

Quelle: HStA Hann 184 Acc 14 Nr. 0456

Die Reste der Turbinenanlage sind noch heute auffindbar.
Die Turbine hatte ein hölzernes Standrohr, gefertigt wie ein Fass mit Drahtringen zur Verstärkung. Die hölzernen und metallenen Reste dieses Rohres waren 2015 noch gut zu sehen.

Unterhalb des Dammes des Unteren Schalker Teiches zweigt am oberen Striegel des Teiches ein Betongraben (Urbaner Graben) zu einer elektrischen Nachnutzung der Gräben ab 1899 ab.
Im Bild der Graben mit dem Fehlschlag vor dem Wasserschloss zur Turbine.

Dieser Graben wurde wohl bereits 1692 zur Wasserversorgung der Grube St. Urban erbaut und 1899 als Betonkanal ausgebaut, für eine Turbinenanlage oberhalb der Fassung des Julianer Grabens.


Die Reste des Wasserschlosses der Turbinenanlage von 1899 oberhalb der Fassung des Julianer Grabens.
Das abgearbeitete Wasser wurde wohl bis 1904 diesem Graben und zur Weiternutzung den Anlagen der Juliane-Sophie zugeführt.

1946 stellt der Grabenfahrsteiger Wehling zwei Wiederinbetriebnahmen zur Wasserkraftnutzung vor, die auch heute noch die Orte Festenburg, Ober- sowie Mittelschulenberg mit Strom versorgen könnten.
Zu einen Schlägt er eine Wiederinbetriebnahme der Anlage am Urbaner Graben vor, des Weiteren wird eine Wiederinbetriebnahme des Langegrabens sowie des Julianer Grabens vorgeschlagen, mit dem Ziel das Wasser auf Höhe der ehemaligen Grube Juliane-Sophie in einem Nutzgefälle von 32m zu verstromen.
Beide Projekte sollten sich nach 11 Jahren amortisiert (Stand 1946) haben.
Quelle: (Lampe, 2011, Ausbeute -2011)

Der Julianer Graben heute, ein schöner Wanderweg nach Mittelschulenberg.

Gräben im Festenburg/Schulenberger Revier

(Schmidt,1989; S. 299)

Der Lageplan von Martin Schmidt zeigt die über die Jahrhunderte entstandenen Gräben im Festenburg/Schulenberger Revier. Die in der Okertalsperre untergegangenen Gräben sind hier nicht mit erfasst.
Blau koloriert die natürlichen Abflüsse, die Freifluten.
Schmidt gibt die Namen der Gräben 1989 wie folgt an; die Namen der Gräben wechseln, wie übrigens auch der Freifluten, im Lauf der Jahrhunderte.

1) Ob. Moseskapper Graben..................... 2) Unterer Moseskapper Graben
3) Alter Oberer Schalker Striegel Gr. Ost... 4) Mittl. Schalker Zulaufgraben
5) Mittl. Schalker Striegel Graben.............. 6) Hölzerner Teich Graben
7) Hölzerner Teich Zulauf Graben ..............8) Gnade Gottes Kehrradgraben
9) Schalker Kehrradsgraben..................... 10) Alter Ob. Schalker Striegel Gr. West
11)Neuer Schalker Graben .......................12) Ob. Festenburger Graben I
13) Ob. Festenburger Graben II ...............14) Ob. Schalker Umflut Graben
15) Ob. Schalker Rücklauf Graben .............16) Ob. Zankwieser Graben
17) Mittl. Zankwieser Graben.................... 18) Unt. Zankwieser Graben
19) Zankwieser Flut Graben ......................20) Gnade Gottes Kunst Graben
21) Lange Teich Zulauf Graben................. 22) Lange Graben
23) Schnabelthaler Graben .......................23) Schnabelthaler Graben
24) Julianer Graben .................................25) Urbaner Graben
26) Urbaner Wasserlauf ...........................26) Riesenbacher Graben

(Schmidt, 1989; S. 301)

Welterbeanlagen im Festenburger/Schulenberger Zug

(MWK, 2007; Welterbeantrag Anhang A, Karten)

Nur ein Bruchteil der von Schmidt erfassten Gräben finden sich auf der Karte des Welterbeantrags von 2007 wieder.
Vielfach sind die Gräben der Forstwirtschaft, dem Wege- und Straßenbau zum Opfer gefallen. Teilweise sind sie vom nachfolgenden Bergbau überprägt, oder sie haben in der Karte durch die Weitläufigkeit des Welterbes keinen Eingang gefunden.

Informationstafel am Riesenbacher Graben

Das Revier wird heute durch den WasserWanderWeg Nr. 21 erschlossen.

Weiterführende Literatur zu diesen WasserWanderWegen finden Sie in dem Buch:

WasserWanderWege, von Martin Schmidt,
Herausgegeben von den Harzwasserwerken GmbH,
erhältlich im
Museumshop des Oberharzer Bergwerksmuseums
und in der
Buchhandlung Grosse in Clausthal-Zellerfeld.

Wandern im Schulenberger Revier:

Tour 21: Rundweg durch das Schulenberger Revier.

Start: Mittelschulenberg
Weglänge:7,2 km
Zeitaufwand: 1:40 Std
Höhenunterschied: 130m Aufstieg; 130m Abstieg

Quellen:

Balck, Friedrich http://www.biosensor-physik.de/biosensor/werk-tanne-kahlenberg.htm Stand 23.07.2016

Gerlach, Johann Heinrich Daniel (1675): Karte des Fürstentums Braunschweig-Wolfenbüttel
NLA StWo K3 Blatt 11

Groskurt, Henning; Ernst, Johann Zacharias (1643): Harzatlas.
Niedersächsisches Landesarchiv - Staatsarchiv Wolfenbüttel STAWO K Nr. 20205.

Knissel,Walter; Fleisch, Gerhard (1983): Die Oberharzer Wasserwirtschaft in Vergangenheit u. Gegenwart. Clausthal-Zellerfeld

Lampe, Wolfgang (2011) Wasserkraftwerke in Schulenberg [3.281 KB] , Ausbeute 2-2011, Clausthal-Zelerfeld.

Niedersächsisches Ministerium für Wissenschaft u. Kultur, Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege (2007): Antrag zur Eintragung der Oberharzer Wasserwirtschaft in die UNESCO-Welterbeliste, Erweiterung der UNESCO-Welterbestätte Erzbergwerk Rammelsberg und Altstadt von Goslar.Hannover/Braunschweig.

Quensell, Joh. Andr. Fr. (1800): Situations Carte von denen im Clausthalischen Bergamts Revier befindlichen Teichen, Wasserleitungen und Wasserfällen. HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 2221

Rausch, S.G. (1743): Universal Charta von der Clausthalischen-Altenauer Teich-Graben-Kunst.
Quelle: HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 1896-2.


Sandkuhl 1893):(Gesamt „Uebersichtskarte von der Wasserwirthschaft des nordwestl. Oberharzes“.
HSTAH BaCl Rissarchiv Nr. 997. 172 MB!!

Schmidt, Martin (1989): Die Wasserwirtschaft des Oberharzer Bergbaus; Schriftenreihe der Frontinusgesellschaft Heft 13,Bergisch-Glattbach. ISBN 3-00-009609-4

Trunz, Volkmar (2000): Dumreicher, A.: Gesammtüberblick über die Wasserwirthschaft des nordwestlichen Oberharzes, Clausthal, 1868; Neuausgabe 1. Auflage: Clausthal-Zellerfeld
ISBN 3-9806619-2-X